Blogtour – Splitterleben – Wofür kämpfst du?

Hallo ihr Lieben,

DSC_0579vor einigen Tagen ist das Buch SPLITTERLEBEN von der lieben Jenna Strack veröffentlicht worden. Ich verlinke euch dazu mal meine Rezension. ♥ Passend zur Geschichte hat sich Jenna eine Blogtour für ihre persönlichen Bloggern überlegt. In Splitterleben kämpft Mia einen harten Kampf, der unmöglich zu gewinnen erscheint. In unserer Blogtour geht es ebenfalls um Kämpfe, die wir ausgefochten haben. Wie sie ausgegangen sind, ob gut oder schlecht, könnt ihr gerne auch bei den anderen Bloggern nachlesen. Eine Übersicht findet ihr hier. Aber nun zu meinem persönlichen Kampf… (Schnappt euch am besten einen Tee, es wird etwas lang ♥).

Viele Menschen kämpfen tagtäglich um die Liebe, um Anerkennung oder gegen eine miese Krankheit. Ich möchte heute aber mal einen anderen Konflikt beleuchten, und zwar der Kampf gegen den Leistungsdruck…

In meiner Familie sind gute Noten und ein guter Abschluss ein absolutes MUSS. Selbst wenn ich mit einer 3 oder 4 nach Hause kam, gab es Ärger… bei einer 5 drohte die Apokalypse. Er reichte ja nicht, dass mein Selbstbewusstsein durch die schlechten Noten in den Keller geriet, NEIN, ich bekam immer noch einen auf den Deckel. Also lernte ich schnell, was ich tun musste, um zu überleben. LÜGEN. Entweder ich erzählte nicht von den schlechten Noten oder ich habe sie schön aufgehübscht. So kam ich ganz gut durch, bis natürlich mein Zeugnis eintrudelte und es wieder viel Ärger hagelte. Damit aufgewachsen, lernte ich, dass Noten eine wichtige Rolle im Leben spielen und sie deshalb gut sein müssen. Ich lernte viel, doch der richtige Notendurchbruch wollte einfach nicht kommen. Ich blieb eine durchschnittliche Schülerin mit einem Schnitt von 2,5-3,0 und alles lief gut soweit…

Natürlich gab es zwischendurch wieder einige Katastrophen. In meiner Hausarbeit bekam ich z. B. einen Plagiatsvorwurf (ich habe das damals mit dem Zitieren nicht ganz verstanden^^), was letztendlich einfach durchgefallen bedeutet. Ich heulte ohne Ende, da diese Note ebenfalls auf meinem Abiturzeugnis stehen würde. Ich hatte Angst darum, gar keinen Studienplatz bekommen zu können. Meine Lehrerin bzw. Mentorin nahm mich dann damals zur Seite und sagte folgendes: „Noten sind nicht alles im Leben. Irgendwie kommt man immer ins Ziel, auch wenn es einen Umweg braucht.“ Da sie in meinen Augen natürlich aufgrund ihrer Erfahrungen klug und erfahren erschien, glaubte ich ihr…

Kurz vor meinem Abitur wurde ich dann krank… sehr krank. Ziemlich unpassend, da ich doch gerade für meine Prüfungen lernen musste. Ich bekam ein Antibiotikum und es geschah nichts. Keine Besserung in Sicht. Schnell kam das zweite… und dritte, doch es wurde einfach nicht besser. Ich bekam Panikattacken. Wie sollte ich denn so bitte meinen Abschluss schaffen? Was sollte ohne Abschluss aus mir werden? Mir ging es nicht nur körperlich, sondern auch psychisch ziemlich schlecht. Nach drei unterschiedlichen Antibiotika landete ich schließlich im Krankenhaus. Die Diagnose: Da musst du allein durch. Gegen das, was ich hatte, gibt es keine Medikamente, weshalb mein Immunsystem selbst dagegen ankommen musste. Da dieses leider sehr unter Beschuss gelitten hatte, dauerte es etwas. Insgesamt einen Monat war ich krank ans Bett gefesselt…

Obwohl ich so gut es ging gelernt hatte, wurden meine Abinoten nicht gerade spitze. Letztendlich erreichte ich einen Abschluss mit einem Schnitt von 2,7, was doch eigentlich ganz gut klingt oder nicht? In meinen Lieblingsfächern Deutsch und Philosophie habe ich schließlich 14 und 11 Punkte bekommen. Somit bewarb ich mich an einigen Unis für den Zwei-Fach-Bachelor mit den Fächern Deutsch und Philosophie. Das böse Erwachen folgte bald…

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Ich habe mich an über 10 Universitäten beworben. Angenommen hat mich KEINE. Einen Tag nach dem anderen trudelten Ablehnungsbescheide ein. Mein Abiturschnitt von 2,7 ist zu schlecht gewesen. Ich erinnerte mich an die Worte meiner Lehrerin. Meine Erkenntnis: Sie hat unrecht! Noten sind ALLES im Leben! Keinen interessiert es, was für ein Mensch du bist, was deine persönlichen Stärken und Schwächen sind oder, ob du überhaupt für das Studium/ den Job geeignet bist. Alles was zählt sind die Noten, diese Zahlen definieren unser Können. Ich also, wieder am Ende… Die Universität Hannover bot mir an, dass ich trotz Ablehnungsbescheid doch an der Uni studieren dürfe, mit der Voraussetzung andere Fächer zu wählen. In Philosophie hat mein Schnitt gereicht, aber in Deutsch eben nicht, weshalb ich Mathe (zulassungsfrei) stattdessen wählte. Ich war froh, wenigstens irgendetwas aus meinem Leben machen zu können, wobei es ja nicht meinen Wünschen entsprach. Dementsprechend versagte ich auch ziemlich schnell, weil mir Mathe einfach nicht liegt. Ein Jahr später bewarb ich mich wieder an vielen Universitäten und … große Überraschung… bekam wieder nur ABSAGEN. Doch halt, die Universität in Vechta hat mich doch tatsächlich für das Fach Deutsch angenommen. Ich freute mich riesig. Das einzige Manko dabei war, dass kein Philosophie angeboten wurde und ich ein anderes Fach bekam, und zwar Biologie. Auch wenn mir die Philosophie fehlen würde, ließ ich mich auf das Studium ein, weil mir Deutsch viel mehr am Herzen lag. Ich packte meine Sachen und zog nach Vechta, wo ich mein Studium begann.

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So sah mein täglicher Lernort aus.

Natürlich braucht jede Geschichte ein Happy-End, weshalb es ebenfalls teilweise eines bei mir gibt. Auch wenn ich nicht das studiere, was ich ursprünglich wollte, bin ich mit meinen Fächern Deutsch und Biologie mehr als zufrieden. Obwohl ich nie auf die Idee gekommen wäre, Biologie zu studieren, liebe ich es jetzt genau so wie das Fach Deutsch. Mir gefällt die Kombination richtig gut und im Nachhinein bin ich froh, wie es gelaufen ist, denn ansonsten wäre ich nicht hier, wo ich jetzt bin. Momentan mache ich meinen Bachelorabschluss. Für den Masterstudiengang Lehramt braucht man an vielen Universitäten mindestens einen Schnitt von 2,5. Also wisst ihr schon, was ich gemacht habe? Ich habe gelernt, und zwar OHNE ENDE. Ich war und bin keine Studentin, die jede Woche auf Unipartys rumtanzt oder viel unternimmt, NEIN, ich lerne und strenge mich an. Ich bin leider nicht einer dieser Menschen, die sich etwas angucken und sofort verstehen, sondern ich muss es mir wirklich immer in den Kopf hämmern. 2,5 Jahre später erfolgt dann meine persönliche Belohnung, denn momentan stehe ich bei einen Schnitt von 1,8. Ihr denkt, das wäre super? Ich muss euch leider sagen, dass ich NICHT zufrieden bin. Es könnte besser sein. Erst letzte Woche habe ich das Ergebnis von einer Prüfung bekommen, welches 2,0 lautet. Ich freute mich nicht, denn diese Note verschlechtert meinen Schnitt. Ich habe ehrlich gesagt Angst, dass ich einen Abschluss mit einem 2er Schnitt bekomme, wobei ich ja trotzdem die Mindestanforderung erbringen würde. Allerdings bin ich niemals zufrieden, der Leistungsdruck herrscht schon mein ganzes Leben und ohne gute Noten (was bei mir jetzt immer mindestens eine 1,7 sein muss) fühle ich mich schlecht. Meine Bachelornote ist wichtig für meinen Master, diese Note dann wiederum wichtig für mein Referendariat und die Referendariatsnote ist entscheidend für meinen Lehrberuf, worauf wieder weitere Prüfungen für die Verbeamtung folgen. Mein Leben ist geprägt von Prüfungen und Noten. Unter dem Leistungsdruck bin ich niemals zufrieden. Ohne eine 1 fühle ich mich nicht gut genug. Das hat die Gesellschaft mit mir gemacht.

Dankeschön, wenn ihr bis hier hin gelesen habt, denn dieser Teil meiner Lebensgeschichte ist sehr wichtig für mich. Teilt mir gerne eure Gedanken dazu mit und sagt mir, welche Rolle Noten bei euch im Leben spielen. Unterliegt ihr auch dem Leistungsdruck? ♥

No Comments

  • booksaremybestfriendsblog

    März 14, 2017 at 4:02 pm

    Liebe Jen,
    ich kann dich so gut verstehen. Das Leben und das tolle Bildungssystem in Deutschland und die Gesellschaft machen es uns auch nicht leicht.. in der Schule hatte ich mit meinen Noten nie ein Problem, ein Abischnitt von 2,3 ohne dass ich viel dafür getan habe. ABER dann kam die Uni und zack, da war alles anders.. Ich wollte Latein und Deutsch auf Lehramt studieren, hab es sogar 4 Semester durchgezogen und bei jeder einzelnen Lateinprüfung ein NB kassiert. Da ist meine Welt zusammengebrochen… Die anderen Fächer und Prüfungen hab ich für Latein total vernachlässigt und muss mich jetzt, in meinem neuen Zweitfach Religion gehörig auf den Hintern setzen und meine Bachelornote verbessern.. das macht einfach keinen Spaß und macht uns als Menschen kaputt.

    Ich fühle total mit dir und kann dich so unglaublich gut verstehen, den doofen Notendruck hassen wir glaube ich alle.

    Liebe Grüße
    Tabea

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    • lovelyceska

      März 14, 2017 at 4:30 pm

      Liebe Tabea,
      ich hoffe, das Zweitfach Religion gefällt dir zumindest. Der Notendruck macht echt keinen Spaß und ich finde es schlimm, dass wir beide als angehende Lehrerinnen diesen Mist zukünftig wohl auch noch fördern werden. Denn von uns wird verlangt, dass auch wir später Leistungen benoten. Welche Auswirkungen dass auf die Schüler haben kann, musste ich ja leider selbst erfahren. Vielleicht fällt mir bis dahin eine Lösung ein!! 😀 <3 Liebe Grüße zurück! Ich drücke dir die Daumen!!

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  • Eva Maria

    März 14, 2017 at 4:58 pm

    Liebe Jen,

    ja, bei mir war der Leistungsdruck in der Schule auch sehr schlimm. Vor allem von meinem Vater, der ja damals meinte, als ich die Oberstufe nicht geschafft hatte, ich könnte mir ja einen Job für Doofe suchen. Habe auch ehrlich gesagt keinen Kontakt mehr mit ihm, denn ich fand es damals und auch heute nicht in Ordnung so zu reden.
    Ich denke alles hat seine positiven und seine negativen Seiten. Jetzt bin ich happy, denn ich kann mit Tieren arbeiten, dass ist etwas, was ich immer schon wollte.
    Ich finde aber den Druck generell, welcher heute mittlerweile gemacht wird, wirklich schlimm und ich glaube, dass es noch schlimmer werden wird. Normalsterbliche haben ja fast keine Chance mehr.

    Liebe Grüße, Eva

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    • lovelyceska

      März 14, 2017 at 5:18 pm

      Hach, genau so hat mein Vater auch immer mit mir gesprochen! Sobald ich mit einer 4 kam, durfte ich mir schon meine Putzstelle suchen! Oder als ich mal bei einem Überraschungstest mit einer 6 nach Hause kam, durfte ich 6 Stunden lang im Garten körperlich arbeiten, nach dem Motto, wenn das mit der geistlichen Bildung nichts wird…

      Cool, was machst du denn? Ich wollte früher auch immer mit Tieren arbeiten, aber das meiste fordert Aufschneiden oder Spritzen mit ein, was ich nicht machen könnte. ^^

      Liebe Grüße zurück <3

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      • Eva Maria

        März 14, 2017 at 5:56 pm

        Ich finde es schlimm, wenn man so mit seinen Kindern redet. Es ist ja schon bei Gleichaltrigen genug Druck, da müssen nicht noch die Eltern reinquatschen.
        Ich arbeite als Tierarzthelferin, was ich sehr interessant finde, allerdings hast du recht, denn es gibt natürlich sehr viele Spritzen und OPs. 🙂
        Lg, Eva

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  • Jennys.buecherliebe

    März 14, 2017 at 6:37 pm

    Hallo Jen,

    so wie dir ging es mir zum Glück nie. Meine Eltern fanden es zwar toll, dass ich aufs Gymnasium gehe, wären aber auch mit der Realschule zufrieden gewesen. Liegt vielleicht daran, dass sie beide auch auf der Real- bzw. Hauptschule waren. Ich hatte also nie Druck oder Stress wegen den Noten. Wären sie zu schlecht gewesen, hätte ich einfach die Schule gewechselt.
    Jetzt bin ich aber stolz darauf bald mein Abi zu haben (wenn ich es bestehe). Besonders jetzt in den letzten Wochen habe ich zum ersten Mal den Leistungsdruck auch gespürt. Ich stehe momentan so zwischen 2,9 – 3,2 und hätte sehr gerne eine 2 vor dem Komma. Also verbringe ich meine Tage mit dem Lernen. Ich unternehme nichts mit Freunden und komme kaum zum Lesen, aber ich fühle mich vorbereitet. Ich könnte meine schriftlichen Prüfungen gut absolvieren. Wenn nichts dazwischen kommt. Was mir aber auch die Angst nimmt, ist die Tatsache, dass ich schon eine Ausbildungsstelle habe. Für die brauche ich zwar ein Abi, aber der Schnitt ist egal. Und wenn die Ausbildung gut läuft, kann ich nach 2 Jahren auch noch an die Uni gehen und den Bachelor machen.
    Ich bin froh, dass ich deine Erfahrungen nicht machen musste, denn ich wäre schon längst zusammengebrochen. Deine Kraft und Willensstärke finde ich bewundernswert.

    Liebe Grüße
    Jenny 🙂

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  • trallafittibooks

    März 15, 2017 at 9:27 am

    Toller Beitrag, sehr mutig von dir, dass du damit so offen & ehrlich um gehst.
    Für deinen weiteren Weg und den Abschluss wünsche ich dir auf jeden Fall ganz viel Glück.
    Und auch eine 2,0 würde reichen, ich würde dir wünschen, dass du damit gut leben kannst. 🙂
    Ist immerhin eine super Note und du hättest deine bisherigen Ziele erreicht.

    Alles Liebe,
    Nicci

    Antworten
  • trallafittibooks

    März 15, 2017 at 9:58 am

    Das denke ich auch. 🙂 Sollte nur dosiert sein und vor allem nicht zu viel in den „falschen“ Kreisen, damit meine ich natürlich nicht deinen Beitrag. 🙂 Der ist völlig angemessen.
    Ich drücke dir die Daumen!! <3

    Antworten
  • fraunat

    März 15, 2017 at 2:51 pm

    Liebe Jen,

    ich verstehe dich absolut und vollkommen!
    In meiner Familie herrscht auch dieser Leistungsdruck, alle, außer meine Mama, wollten immer, dass ich unbedingt studiere – das macht man doch so?
    Und am besten gleich etwas technisches – das läuft doch in unserer Familie so. Mama ist immerhin auch Ingenieurin.
    Sie hat immer gesagt, ich soll machen, wonach mir ist und hat nie wegen meiner Noten gemeckert. Wichtig war ihr nur, dass ich das, was ich mache und möchte auch gut mache.., aber ich wollte meine Großeltern stolz machen.
    Der Druck ging immer von meinen Großeltern aus, ich verzeihe ihnen das bis heute nicht, denn wo bin ich denn nun?
    Als sie mir zum Bachelorabschluss „gratulierten“, hielt mein Opa mir einen Umschlag hin und sagte zu mir „nur, wenn du weiter machst – deinen Master“. Ich habe das erste Mal Nein gesagt und den Umschlag nicht entgegengenommen. Egal was ich tat, es reichte nicht.
    Ich habe einen guten 2er Abschluss, bin Ingenieurin, deren Herz aber nach Gestaltung und Kreativität schreit. Seit Mitte Februar wieder arbeitslos, meine Großeltern wissen es nicht. Was hat es mir gebracht? Nichts. Das Arbeitsamt überschüttet mich mit Vermittlungsvorschlägen, Konstrukteurin, wissenschaftliche Mitarbeiterin. Ich will das nicht. Es ist, als wäre mein Abschluss der endgültige Wegweiser für den Rest meines Lebens. Aber ich bewerbe mich auf viele kreative Stellen, viel mit Marketing und bekomme bisher sogar Einladungen zu Gesprächen – wurde nur leider bisher nicht genommen. Ich kämpfe und probiere einfach immer weiter. Was anderes bleibt einem ja auch nicht übrig. 🙂

    Alles Liebe
    Natalie ♥

    Antworten
  • crazyunicornsschnuppensterne

    März 17, 2017 at 12:23 pm

    Hallo du Liebe,

    du bist ja eine richtige Kämpferin! Bin ich froh das es dir heute gut geht und du es geschafft hast. Meine Freundin damals ist durch so einen Druck richtig dolle krank geworden, sodass sie sogar Krebs bekommen hat, bzw. einer der Auslöser war. Es ist echt krass wenn man eigentlich so viel schaffen möchte aber dann noch krank wird. Fühl dich gedrückt und ich bin froh das dir deutsch und bio so gefallen haben und du es noch gemeistert hast 🙂

    Laura

    Antworten

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